Die 'Hessische Energiespar-Aktion' informiert: Flachdachdämmung.


 
Die Hessische Energiespar-Aktion informiert: „Flachdachdämmung“
Flachdächer sind im Wohnungsbau eher selten in Hessen. Es gibt sie in zwei Arten, häufig auf Reihenhäusern und Winkelbungalows:
• das belüftete Flachdach (Kaltdach)
• das unbelüftete Flachdach (Warmdach)

Das belüftete Flachdach besteht meist aus einer Holzbalkenlage, zwischen der eine Dämmschicht vom 4 bis 10 cm liegt. Über der Dämmung befinden sich mindestens 10 cm Belüftungsschicht. Eine abschließende Brettschalung trägt die Dachhaut aus Bitumenpappe. Das unbelüftete Dach besteht häufig aus einer Stahlbetondecke, auf der eine Dampfsperre und die Dämmung verlegt sind, darauf
befindet sich die Dachhaut als mehrlagiges Bitumenpappdach. Beim Flachdach ist die Dachhaut die dampfdichteste Schicht, deshalb ist raumseitig eine Dampfsperre eingebaut.

Die meisten der Gebäude mit Flachdach wurden ab Ende der Sechzigerjahre errichtet und weisen schon einen Wärmeschutz von 0,6 bis 0,8 W/(m²K) auf. Der ist als sommerlicher Wärmeschutz zu gering, denn Flachdächer werden im Sommer ganztägig von der Sonne aufgeheizt.

„Für die Anforderung der EnEV 2009 reichen bei hochwertigen Dämmstoffen zusätzliche 12 bis 16 cm Wärmedämmung aus (0,2 W/(m²K)). Ein guter sommerlicher Wärmeschutz liegt bei 0,1 W/(m²K) ab 25 bis 30 cm“, so Werner Eicke-Hennig, Leiter der Hessischen Energiespar-Aktion, ein Projekt des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Die Dämmdicke wird häufig durch Einbauten begrenzt (Türenaustritte, Lichtkuppeln). Dann ist ein Dämmstoff mit guter Dämmwirkung besonders wichtig. Der Fachbetrieb findet auch hierfür Lösungen am Dachrand usw. Als Dämmstoffe kommen beim unbelüfteten Dach vor allem extrudierte Hartschaumplatten (XPS), Steinwolle- oder Schaumglasplatten in Frage, die Feuchte unempfindlich sind. Für unbelüftete Flachdächer gibt es spezielle Dämmplatten. Beim belüfteten Aufbau liegt die Dämmung zwischen den Balken; hier haben wieder Glas- und Steinwolleplatten oder die Einblasdämmung aus Zelluloseflocken Vorteile. Die Wärmeleitfähigkeiten liegen zwischen 0,04 und 0,020 W/(mK).


 
Die Ausführung richtet sich nach dem vorhandenen Aufbau. Eine Dachinstandsetzung ist der richtige Zeitpunkt. Ältere unbelüftete Flachdächer haben eine funktionierende Dampfsperre. Deshalb ist das Umkehrdach eine wirtschaftliche Lösung. Hier bleiben die vorhandene Dämmung, die Dampfsperre sowie die Dachhaut erhalten. Letztere wird instand gesetzt. Darauf werden die neuen Feuchte unempfindlichen Dämmplatten, mit Stufenfalz verlegt, mit einem Vlies abgedeckt und bekiest. Die Dämmplatten können zeitweilig vom Regen unterflossen werden. Die neue Dämmung schützt die alte Dachhaut vor Frost und Sonne. Wassereinläufe und umlaufende Randbekleidung sind anzupassen. Hierfür gibt es Formteile. Ein Neuaufbau des gesamten unbelüfteten Daches inklusive der Dampfsperre ist teurer. Auch in diesem Fall kann der vorhandene Dämmstoff wiederverwendet werden, denn er ist funktionstüchtig und enthält bei extrudierten Schaumdämmstoffen FCKWs, die auf der Bauschuttdeponie in die Atmosphäre gelangen würden; besser also weiter nutzen. Die alten Dämmplatten werden zwischengelagert und nach Einbau einer neuen Dampfsperre wieder als erste Lage verlegt. Darauf kommen die neuen Dämmplatten. Eine neue, verklebte Dachhaut mit neuer Kiesschicht schließt die Arbeiten ab.

Beim belüfteten Dach begrenzt die notwendige Belüftungsebene die zusätzlich einbaubare Dämmschicht. Deshalb ist hier nur ein Neuaufbau sinnvoll. Die unter den Tragbalken liegende Dampfsperre wird erneuert und dabei sehr sorgfältig luftdicht ausgeführt (DIN 4108-7). Ein Luftdichtheitstest mit der Blower - Door sollte dies bestätigen. Danach kann das Dach zum unbelüfteten Flachdach werden, indem der gesamte Balkenzwischenraum mit Dämmstoff gefüllt wird. Auch oben auf der Balkenlage kann noch eine Schicht verlegt werden, um einen besonders guten sommerlichen Wärmeschutz zu erzielen.

Das Flachdach kann bei einzeln stehenden Gebäuden auch zum Steildach umgebaut werden. Wer häufig Regenschäden gehabt hat, wird diese Möglichkeit in Betracht ziehen. Der Dämmstoff wird dann unter dem Schutz des neuen Steildachs einfach auf der alten Dachhaut ausgerollt, wie bei der OG - Decke. Eine Abdeckung der Dämmstoffe ist nur erforderlich, wenn ein begehbarer Raum entstehen soll.

Die Flachdachsanierung ist aufwendig, die Dämmstoffe beim unbelüfteten Dach teurer. 50 bis 120 Euro pro m² können allein für die Dämmung und die neue Luftdichtende Schicht anfallen. Die Gesamtmaßnahme mit neuer Dachhaut liegt bei 150 bis 220 Euro pro m². Die Wirtschaftlichkeit muss nach Aufwand im Einzelfall bestimmt werden. Die sommerliche Kühle in den Räumen entschädigt dann aber für den Aufwand.

Aktuelle Informationen des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz erhalten Sie unter www.energieland.hessen.de Hier finden Sie auch den „Förderkompass“:
EU, Bund, Länder, Kommunen und Energieversorger bieten eine Reihe von Fördermöglichkeiten in den Bereichen Erneuerbare Energien und Energieeffizienz an. Mit diesem Förderkompass stellt die Hessische Landesregierung den hessischen Bürgerinnen und Bürgern ein Instrument zu Verfügung, das die Suche nach einem geeigneten Förderprogramm für eine in Hessen geplante Bau- oder Sanierungsmaßnahme erleichtern soll. Darüber hinaus können Sie nach Förderprogrammen zur Mobilität suchen (Erdgas- und Elektro-Fahrzeuge).
Weitere Informationen: Unter www.energiesparaktion.de gibt es 14 Energiesparinformationen mit detaillierten Hinweisen zu den wichtigsten Energiespartechniken, zum „Energiepass Hessen“ sowie eine Energieberaterliste.
Die „Hessische Energiespar-Aktion“ ist ein Projekt des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.